Meldung vom 27.12.2018

Vögel füttern im Winter - ja oder nein?

Immer wenn die kalte Jahreszeit kommt, stellt sich die Frage, ob frei lebenden Tieren geholfen werden sollte.

Weitgehend nimmt die Natur in jedem Winter ungestört ihren Lauf - wenn der Mensch nicht eingreift. Generell kann davon ausgegangen werden, dass auch harte Winter in unseren Regionen für keine Art eine ernsthafte Bedrohung darstellen, außer für kranke und geschwächte Tiere.

Deutlich anders stellen sich die Verhältnisse in Städten dar. Einerseits ist hier häufig nicht mehr von einem intakten natürlichen Gleichgewicht auszugehen, andererseits animieren die Wintergäste, die sich häufig in großer Zahl in den Städten einstellen, die Bevölkerung, den vermeintlich leidenden Tieren zu helfen.
In Stralsund sind es gerade die Wasserflächen, die auf Arten mit geringer Scheu vor Menschen eine große Anziehungskraft ausüben. Dazu zählen zum Beispiel Stockenten, Höckerschwäne oder Silbermöwen. Wenn dann noch Futter angeboten wird, sammeln sich an der Sundpromenade und auf den Stadtteichen mitunter tausende Vögel auf sehr kleinem Raum. Gerade in Stralsund hat die Versorgung der Wasservögel, insbesondere der Schwäne, eine lange Tradition.

Trotzdem ist das Interesse an der winterlichen Tierwelt zu begrüßen. Dieses Interesse sollte sich in erster Linie aber auf die Beobachtung der Tiere beschränken. Gelingen doch gerade im Winter immer wieder sehr interessante Tierbeobachtungen an den umliegenden Gewässern.
Alljährlich finden sich, neben den schon erwähnten Vögeln, sehr häufigen auch seltenere Arten ein. So können Reiherenten, Schellente, mitunter sogar Bergenten, Gänsesäger, Singschwäne oder auf dem freien Meer die Eisenten oder Eistaucher aus dem hohen Norden beobachtet werden.

"Von einer Fütterung wird generell abgeraten", so Zoodirektor Dr. Christoph Langner, "das ist ein Eingriff in den Naturkreislauf und ökologisch nicht sinnvoll." Er empfiehlt, erst dann, wenn nach langem Dauerfrost die umliegenden Gewässer weitgehend zugefroren sind, die Tiere an geeigneten Stellen zusätzlich mit Futter zu versorgen. "Keinesfalls dürfen dann aber gesalzene oder gewürzte Lebensmittelreste verwendet werden. Empfehlenswert sind in diesem Fall Körnermischungen, geschnittenes Obst und Gemüse", so Langner.

Auch die Fütterung von Singvögeln am Futterhaus wird in jedem Winter erneut diskutiert. "Generell ist es auch bei den Singvögeln nicht erforderlich, sie mit Futter zu versorgen", schätzt Langner ein. Viel wichtiger wäre es, die natürlichen Bedingungen so zu gestalten, dass die Tiere genügend Nahrung finden. Dazu sind beispielsweise naturbelassene Bereiche, Hecken und Totholzhaufen gut geeignet.
Dennoch sind sich die Experten darüber einig, dass die Fütterung mit dem richtigen Futter am Futterhäuschen den Tieren nicht schadet. "Gut ist dabei, dass sich die Bevölkerung mit dem Thema beschäftigt und die Tiere aus nächster Nähe beobachten kann", schätzt der Zoodirektor Langner diesen Nebeneffekt als positiv ein.